Geschichte der Spanische Weihnachtslotterie El Gordo

 

 

Jedes Jahr im Advent gibt es in Spanien nur ein Thema: die Weihnachtslotterie El Gordo. Und das aus gutem Grund. Die Verlosung gilt aufgrund der Höhe der Gewinne als die größte Lotterie der Welt. Im Jahr 2013 gab es zum Beispiel satte 2,24 Milliarden Euro zu gewinnen. Das entspricht 70 Prozent der Einsätze. Beim deutschen Lotto sind es in der Regel lediglich 50 Prozent. Der Hauptpreis betrug damals 240 Millionen Euro. Der Rest wird an die übrigen Gewinner ausgezahlt.

Die Lotterie wird bereits seit dem Jahr 1812 vom spanischen Staat ausgespielt. Die Auslosung findet alljährlich am 22. Dezember statt. Zu diesem Zeitpunkt sitzt die ganze Nation vor dem Fernseher. Im eigentlichen Sinn handelt es sich um eine Sonderziehung der staatlichen Lotteriegesellschaft. Reguläre Ziehungen finden zweimal pro Woche statt. Seit einigen Jahren können auch internationale Teilnehmer bei diesem Spektakel mitmachen. Für sie gelten die gleichen Bedingungen wie für Spanier.

 

Geschichten rund um die spanische Weihnachtslotterie

Die erste Zahlenkombination die in El Gordo de Navidad gewonnen hat, lautet 03604. Seitdem wurde die 1 am häufigsten gezogen. Am seltensten fällt eine Kugel mit der Ziffer 4 aus dem Behälter.

Ein besonderes Spektakel ist die spanische Weihnachtslotterie im katalanischen Ort Sor. Der Name des Ortes bedeutet nämlich Glück. Deswegen pilgern Jahr für Jahr Scharen für Touristen in das Örtchen, um sich ihr El Gordo Los dort zu kaufen. Und es scheint, als wäre diese Reise hilfreich. Denn binnen zehn Jahren gab es schon fünf Hauptgewinner, die ihr Los in Sor gekauft hatten.

Die Umstellung auf die Währung Euro hat die Länge der Ziehung im spanischen Fernsehen ein bisschen verkürzt. Denn bis dahin gab es 1774 mal 150.000 Peseten zu gewinnen. Die Kinder mussten also 1774 mal „ciento cicuenta mil pesetas“ singen, ein ziemlich langes Wort. Seit der Einführung der europäischen Gemeinschaftswährung gibt es aber in dieser Gewinnklasse 1000 Euro, als „mil euros“, zu gewinnen. Deswegen ist die Übertragung nun neun Minuten kürzer.

Auch eine ganze Region hat schon gemeinsam bei der Lotterie gewonnen, das war im Jahr 2011. Das Dorf Sodeto durfte sich dabei über einen besonders großen Geldregen freuen: Alle Bewohner, außer einer einzigen Person, gewannen mindestens 50.000 Euro. Die Region rund um Sodeto hatte insgesamt 120 Millionen Euro gewonnen.

 

Das System der Lotterie

Grundlage für die spanische Lotterie sind Lose mit 5-stelligen Nummern. Seit dem Jahr 2011 befinden sich Lose 100.000 Losnummern im Umlauf, bis dahin waren es lediglich 85.000. Erhältlich sind entweder ganze Lose oder auch nur Teile davon. Die kleinste Einheit beträgt ein Zehntel. Ein solches Zehntel kostet 20 Euro, ein ganzes Los demnach 200 Euro.

Die Lotterie ist in Spanien so beliebt, dass mehrere Los-Serien aufgelegt werden. Im vergangenen Jahr sind es zum Beispiel 160 solcher Serien gewesen. Das bedeutet, dass jeweils 160 ganze Lose die selbe Nummer tragen. Jedes Jahr aufs Neue werden die Anzahl der Lose, die Aufteilung der Preise und die Serien neu aufgelegt.

Nicht jede Losnummer ist an jeder Verkaufsstelle erhältlich. Das liegt daran, dass es im Normalfall 160 Los-Serien gibt. Wer also eine bestimmte Losnummer wünscht, muss eine Verkaufsstelle ermitteln, die diese führt. Wer sein Los elektronisch kauft, kann die Nummer des Loses frei bestimmen, solange diese noch erhältlich ist.

Weil die Lotterie so beliebt ist, werden die Lose jeweils von Juli an verkauft. Wie erwähnt, werden die Gewinner am 22. Dezember ermittelt. Nur, wer ein ganzes Los gekauft hat, erhält die volle Summe, die auf diese Nummer entfällt. Wer ein Zehntel-Los besitzt, bekommt lediglich ein Zehntel. Die Preise gliedern sich wie folgt auf:

 

– der erste Preis, genannt El Gordo, beträgt 4.000.000 Euro, es gibt ihn einmal

– auch den zweiten Preis gibt es einmal, er beträgt 1.250.000 Euro

– den dritten Preis gibt es ebenfalls einmal, auf ihn entfallen 500.000 Euro

– auf den vierten Preis entfallen 200.000 Euro, ihn gibt es zweimal

– es gibt insgesamt acht fünfte Preise, auf sie entfallen je 60.000 Eurozu

– 1000 Euro gibt 1794 mal zu gewinnen

 

In diesen Klassen gewinnen immer alle 160 Lose der gezogenen Nummer die volle Summe, sodass 640 Milliarden Euro Gewinnsumme zusammenkommen. Neben den oben genannten Preise gibt es noch folgende Preise:

 

– zweimal 20.000 Euro für die Losnummer, die eine Zahl über oder unter der Losnummer des Hauptpreises liegt

– zweimal 12.5000 Euro für die Losnummer, die eine Zahl über oder unter der Losnummer des zweiten Preises liegt

– zweimal 9.6000 Euro für die Losnummer, die eine Zahl über oder unter der Losnummer des dritten Preises liegt

– 297 mal 1000 Euro für die Losnummern, deren erste drei Ziffern denen des ersten, zweiten oder dritten Preises entsprechen

– 198 mal 1000 Euro für die Losnummer, die den ersten drei Ziffern der vierten Preise entsprechen

– 2.997 mal 1000 Euro für die Losnummer, die den letzten beiden Ziffern des ersten, zweiten oder dritten Preises entsprechen

– 9.999 mal wird der Einsatz zurückgezahlt. Das gilt für die Losnummern, deren letzte Ziffer der des ersten Preises entsprechen

Die Gewinnklassen sind stets festgelegt. Wird also eine unbeliebte Nummer gezogen, muss das Unternehmen weniger Geld auszahlen.

 

Spannung liegt in der Luft: die Ziehung

Am 18. Dezember 1812 hat die erste Ziehung stattgefunden. Das Datum wurde damals wegen des spanischen Unabhängigkeitstages gewählt. Inzwischen wurde das Datum auf den 22. Dezember festgesetzt. Die Ziehung findet in Madrid statt. Sie ist öffentlich und wird seit dem Jahr 1967 live im Fernsehen übertragen. Bei dieser Übertragung werden Einschaltquoten von bis zu 50 Prozent erreicht. Für die Spanier wird mit diesem Ereignis die Weihnachtszeit eingeläutet.

Die Nummern sind auf Holzkugeln notiert, die aus einer großen Trommel gezogen werden. Es gibt insgesamt 100.000 dieser Kugeln. Sie werden mit einem Laser beschriftet, um Gewichtsunterschiede zu vermeiden. Zusätzlich gibt es eine zweite Trommel. In ihr befinden sich so viele Kugeln, wie es Preise gibt.

Nächste Ziehung in:

 

 

Aus beiden Trommeln fällt zur gleichen Zeit je eine Kugel in eine Glasschale. Kinder nehmen die Kugeln aus der Schale – und singen sowohl die Losnummer als auch den Preis. Sie stammen von einer Schule für Kinder, die in schwierigen Familienverhältnissen leben. Selbstverständlich wird die Prozedur so oft wiederholt, bis alle Preise gezogen sind. Sind 20 Kugeln gezogen, werden die Trommel neu gemischt, damit alle Losnummern die gleiche Chance haben.

Das Ganze dauert ziemlich lang. Es vergehen 3,5 Stunden, bis auch der letzte Preis verkündet ist. Schließlich fallen insgesamt 1807 mal Kugeln aus den Behältern. Der Hauptpreis kann zu jeder Zeit gezogen werden. Es ist möglich, dass er schon mit der ersten Kugel vergeben wird. Es kann aber auch sein, dass es erst der letzte Holzball ist, der einen Spanier reich macht.

Offiziell werden die Nummern 45 Minuten nach der Ziehung veröffentlicht, denn sie werden noch einmal genau überprüft. Die Besitzer müssen die Lose spätestens drei Monate nach der Ziehung vorlegen. Die Lose sind übertragbar.

 

Die Bedeutung von El Gordo de Navidad

 

El Gordo de Navidad ist wohl die bekannteste Lotterie weltweit. Tief im öffentlichen Bewusstsein verankert ist die Lotterie in Spanien. Der Verkauf der El Gordo Lose ist zwar wegen der Wirtschaftskrise leicht eingebrochen. Trotzdem erwirtschaftet die staatliche Lotteriegesellschaft noch immer 2,1 Milliarden Euro. Das bedeutet, dass jeder Spanier im Schnitt 2,5 Zehntel-Lose besitzt. Die Gesellschaft erzielt mit der Weihnachtslotterie ein Viertel ihres jährlichen Gewinns.

Aber nicht jeder Spanier spielt allein. Sie bilden Gemeinschaften, also Vereine, die gemeinsam eine gewisse Anzahl von Losen kaufen. Die Vereine erheben einen kleinen Aufschlag auf den Preis, der in eine gemeinsame Kasse wandert. Auch Kneipen bieten das an.

Der Werbespot für die Lotterie ist auch ein heißes Gesprächsthema. Er wird stets ab Anfang November im spanischen Fernsehen ausgestrahlt – und wird von den bekanntesten Regisseuren des Landes produziert. Stets kursieren auch mehrere satirische Bearbeitungen des Werbefilms im Netz. Die Ziehung ist in Spanien selbstverständlich ein Straßenfeger. Oft treffen sich Familien, um die Prozedur gemeinsam im Fernsehen zu verfolgen.

 

Interessante Fakten:

 

  • Im Jahr 1892 bekam die spanische Weihnachtslotterie ihren heutigen Namen, Sorteo de Navidad.
  • Am 18. Dezember 1812 fand in Cádiz die erste Weihnachtsverlosung in Spanien statt. In demselben Jahr befand sich Spanien im Krieg gegen Frankreich. Die erste El-Gordo Gewinnzahl war die Nummer 03604. Ein Los kostete damals rund 40 Reales und die Gewinnsumme war  riesige 8.000 Pesos, für damalige Verhältnisse war das sehr viel Geld.
  • Der Grund für die erste Weihnachtslotterie war dem Staat die Kassen zu füllen, ohne dabei die Steuerzahler stark zu belasten. Die Teilnahme an der Weihnachtslotterie war selbstverständlich freiwillig.
  • Bereits schon 36-mal landete der Hauptgewinn schon in Barcelona, Unglaubliche 70 mal in Madrid, zuletzt im Jahr 2007, seit 1994 wartet man in Barcelona auf einen weiteren Hauptgewinn, vielleicht klappt es dieses Jahr.
  • Im Jahr 2003, 2004 und 2007 traf der El Gordo in der kleinen Stadt Sort mit 128 Einwohnern zu (Provinz Lleida, Katalonien, das liegt wahrscheinlich daran das hier über die „goldene Hexe“ (La Bruixa d Or) die Lose für die spanische Weihnachtslotterie weltweit verkauft werden.

 

So wahrscheinlich ist ein Gewinn

 

Die Verkaufsstellen verkaufen meist sehr viele Zehntel-Lose mit der gleichen Nummer. Das führt dazu, dass oft ganze Dörfer oder Firmenbelegschaften gewinnen. Es gibt Medienberichte, die belegen, dass deswegen sogar schon die Immobilienpreise in einigen Gegenden erheblich angestiegen sind.

Das hat aber wohl keinen Einfluss auf die Gewinnwahrscheinlichkeit. Diese verteilt sich wie folgt:

– Es verlieren stets rund 85 Prozent der Lose

– Für zehn Prozent der Lose gibt es den Einsatz zurück

– Es gewinnen rund sechs Prozent der Lose. Das ist mehr als bei der deutschen Lotterie, hier sind es nur rund zwei Prozent.

Damit liegt die Wahrscheinlichkeit, bei der spanischen Lotterie zu gewinnen bei 1:100.000. Insgesamt werden rund 70 Prozent der Einnahmen aus dem Verkauf der Lose ausgeschüttet.

 

Das hat sich bei der Lotterie geändert

 

Die Spanier sind bei ihrer Weihnachtslotterie sehr konservativ. Trotzdem haben sich in der jüngsten Vergangenheit einige Dinge geändert. Im Jahr 2011 wurde zum Beispiel die Zahl der Lose pro Serie von 85.000 auf 100.000 erhöht. Auch die Gewinnsumme stieg in diesem Jahr an. Es gab nun 4.000.000 Euro statt 3.000.000 Millionen Euro zu gewinnen.

Bis zum Jahr 2013 wurden auf alle Gewinne aus der Lotterie keine Steuern erhoben. Seither verdient der spanische Staat aber mit. Alle Gewinne, die den Freibetrag von 2.500 Euro übersteigen, werden mit 20 Prozent besteuert. Die Lotteriegesellschaft führt die Abgabe direkt bei der Auszahlung des Gewinns ab. Nach Abzug der Steuer beträgt der Hauptgewinn für ein Zehntel-Los 320.500 Euro. Deswegen werden eigentlich nur rund 64 Prozent der Einnahmen und nicht 70 Prozent ausgeschüttet. Gewinnt ein Deutscher in der Lotterie, kann er die Steuer im Folgejahr vom spanischen Finanzamt zurückfordern. Die beiden Länder haben ein sogenanntes Doppelbesteuerungsabkommen abgeschlossen. Trotzdem bleiben die Gewinne in Deutschland, wie üblich, steuerfrei.

 

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